Mit Volldampf in die Zukunft

Forschung und Entwicklung auf breiter Ebene intensiviert

© 2006-2010 PlanetSolar


Tradition bewahren und Fortschritt wagen, das war schon immer der Kurs, den die Schifffahrt gesteuert hat. Gerade in Zeiten, in denen sich das Wachstum nicht in täglichen Rekordmeldungen nie derschlägt, rücken diese Werte wieder mehr in den Mittelpunkt. Forschung und Entwicklung werden einerseits von einer innovationsfreudigen Branche vorangetrieben und andererseits durch Gelder aus Konjunkturprogrammen unterstützt. Sonne, Wind und Wasserstoff stehen ebenso im Mittelpunkt wie Datenverarbeitung oder Konzepte für mehr Effektivität.

Die Kraft des Wasserstoffs als Energieträger ist vor allem deshalb interessant, da als Abfallprodukt nur so genanntes „unproblematisches” Wasser übrig bleibt. Auch als Speicher für regenerative Energien ist Wasserstoff oft eine gute Wahl. Dieser benötigt aber einen Umbau der bestehenden Hafen-Infrastruktur, die es schwer hat, sich gegen die bestehende Technik durchzusetzen. Die Bundesregierung hat daher das „Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff und Brennstoffzellen-Technologie” (NIP) mit Industrie und Wissenschaft gegründet. 1,4 Mrd. Euro fließen bis 2016 in das Programm. Die einzelnen Projekte werden durch die Plattform „NOW” koordiniert. Eines der Projekte ist „e4ships” (über das wir in der OnBoard schon berichtet haben), in dem die Alltagstauglichkeit von Brennstoffzellen an Bord nachgewiesen werden soll.

Der Wind ist kostenlos
Nicht nur bei Kreuzfahrten ist ein „Green Ship” auch ein Imagefaktor. Hier können die Mehrkosten für umweltfreundlichere Betriebsstoffe aber einfacher auf den Fahrpreis umgelegt werden, geht es doch auch um einen emotionalen Mehrwert. Und so wird nicht nur mit Brennstoffzellen experimentiert: Eine französische Gesellschaft hat ein Kreuzfahrtschiff entworfen, auf dem zusätzlich 20.000 Quadratmeter Segel gesetzt werden. Mit dem Wind „getanzt” wurde in den vergangenen Jahren auch auf Schwergutfrachtern. Bei günstigem Wind helfen die Gleitschirm ähnlichen Zugdrachen den Treibstoffverbrauch um ein paar Prozent zu vermindern. Ein niederländisches Fischereiunternehmen hat nun einen solchen Zugdrachen erworben, um ihn auf einem Fischtrawler einzusetzen. Auch auf einem deutschen Fischereischiff in Rostock soll das so genannte SkySails-System getestet werden.

Mit der Sonne um die Erde

Ohne Segel und ohne Diesel will die „PlanetSolar” kommendes Jahr binnen 140 Tagen den Erdball umrunden. Der 31 Meter lange Trimaran (15 Meter breit und sechs Meter hoch) sieht aus wie eine Mischung aus Raumschiff Enterprise und einem sportlichen Motorboot. 508 Quadratmeter Photovoltaik-Module werden auf dem Deck montiert. Der erzeugte Strom wird in 12 Tonnen schweren Lithium-Ionen-Batterien gespeichert. Gebaut wird der insgesamt 58 Tonnen schwere Trimaran in einer Kieler Yachtwerft. Für den Solar-Trimaran wurde jedes Detail im Strömungs- und Windkanal getestet. Das Verhalten bei Seegang hat der Germanische Lloyd simuliert: Der Trimaran ist als „Wavepiercer” konstruiert; er durchschneidet hohe Wellen. Vier Elektromotoren bringen zusammen bis zu 176 Kilowatt auf zwei Antriebswellen mit übergroßen Karbon-Propellern. Initiatoren sind ein Schweizer und ein Franzose. Für die Kosten von knapp zehn Millionen Euro haben sie einen deutschen Investor überzeugen können. Sehen kann man die „PlanetSolar” beim Hamburger Hafengeburtstag im Mai dieses Jahres.

Fortschritte in der Navi gation

„Schneller, höher, weiter” ist das bewährte olympische Motto. Im Allgemeinen erhöht sich der Tiefgang eines Schiffes mit zunehmender Größe. Häfen können sich aufgrund geographischer Beschränkungen dagegen nur langsam und dann meist an wenigen Stellen den neuen Herausforderungen anpassen. Die Unterwasser-Landschaft bleibt in vielen Bereichen gleich und war bisher nur punktuell als Tiefenangabe in der Seekarte verzeichnet. Genau um diesen Bereich können elektronische Hafenkarten aber künftig erweitert werden. Eine exakte Modellierung und dreidimensionale Darstellung der Tiefen ist mit „PortECDIS“ (Electronic Chart Display and Information Service) möglich. Sogar die Darstellung von Einrichtungen am Kai bis hin zu Leitern ist integriert. Finanziert wurde das zugrunde liegende Projekt EFFORTS (Effective Operations in Ports) dafür über drei Jahre lang mit Geldern der EU. Lotsen, die Brückenbesatzung und Schlepperkapitäne haben mit der neuen Hafenkarte bei anspruchsvollen Manövern einen deutlich verbesserten Gesamtüberblick. Navigation und Automation an Bord bringt ein Hamburger Schiffbauzulieferer mit seinem neuen Navigationssystem „NACOS Platinum series” auf einer Rechnerplattform zusammen. Eine einfachere Bedienung bei gleichzeitig höherem Grad der Automation kennzeichne nach Herstellerangaben das System. Die Entwicklung basiert auch auf Kooperationen innerhalb der „Innovations-Allianz Hamburg”, die seit Ende 2008 universitäre Forschung mit der Wirtschaft zusammenbringt.

Falt-Container aus Fiberglas

Schon vor zwei Jahren hatte René Giesbers die Idee für einen faltbaren Container. Statt aus Stahl wird seine „Cargo Shell” aus Fiberglas mit einem Holzboden hergestellt. Mit zwei Gabelstaplern ist die Kiste in 15 Sekunden zusammengeklappt oder aufgestellt. Er kann mit deutlich geringerem CO2- Aufwand als ein Stahl-Container hergestellt werden, verbessert die CO2- Bilanz auch aufgrund eines 400 Kilogramm geringeren Leergewichts und soll bis zu zweieinhalb Mal so lange leben wie eine „Stahlkiste”. Dafür kostet dieser Container in der Anschaffung dreimal soviel wie einer aus Stahl. Frühere Konzepte sind daran gescheitert – doch wenn die Wirtschaft wieder anzieht, könnten die CO2-Minderung und das bei Leertransporten Platz sparende Design dem Falt-Container zum Durchbruch verhelfen.   

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