
Schiffe verbinden Menschen und Märkte. Ohne den Seeweg wäre der weltweite und grenzüberschreitende Warentransport nicht denkbar. Auch zu Deutschlands Status als „Exportweltmeister“ trägt die Seeschifffahrt in großem Maße bei.
Die „Vernetzung der Welt“ – sprich Globalisierung und Liberalisierung der Märkte – war und ist für die Schifffahrt als international agierender Wirtschaftszweig der Wachstumsmotor. Mit einem Anteil von mehr als 95 % am interkontinentalen Warenverkehr profitiert der Gütertransport zur See seit Jahren von der Globalisierung der Märkte.
Angesichts des bislang anhaltenden Aufschwungs der Weltwirtschaft, der kräftigen Zunahme des Weltseehandels und des Nachfragebooms nach Schiffsraum, hat sich die maritime Wirtschaft zu einem dynamischen Wachstumsmarkt entwickelt – mit all seinen Chancen und den nun spürbaren Risiken. Die Verlangsamung des Welthandels hat mit etwas Verzögerung, aber mit voller Härte, die Schifffahrt erreicht – in bislang nicht gekanntem Ausmaß.
Gleichzeitig bietet aber gerade auch die internationale Vernetzung die Chance, das globale System gemeinsam aufzufangen, zu erhalten, zu revidieren und zu stabilisieren. An zyklische wirtschaftliche Schwankungen ist die Schifffahrt seit Jahrhunderten gewöhnt: Derzeit erleben wir die 22. Rezessionsphase seit 1741 – und wie jedes Mal, so werden wir auch dieses Mal die Talsohle durchschreiten und den 23. Boom erleben.
Sowohl die deutsche Handelsschifffahrt, mit einer Flotte von mehr als 3.000 Schiffen derzeit die zweitgrößte im weltweiten Vergleich, als auch die gesamte deutsche maritime Wirtschaft hat gute Voraussetzungen für das Bestehen im internationalen Wettbewerb. Wichtige Aspekte sind Forschung, Entwicklung und Innovation, Ausbildung und Nachwuchssicherung, aber auch eine führende Rolle im Klima- und Umweltschutz. Das Spektrum umweltorientierter Innovationen reicht von Lösungen für die Ballastwasserreinigung, über ein optimiertes Design des Schiffsrumpfs, effiziente Antriebssysteme, neuartige Beschichtungen des Unterwasserschiffes bis zu Lösungen für ein verbessertes Energiemanagement oder voll recyclefähige Schiffsneubauten. Die Nachfrage nach energiesparenden und umweltfreundlichen Techniken wird weiter zunehmen. Energie-Effizienz bleibt ein zentrales Entwicklungsfeld, nicht nur für Deutschland.
Schifffahrt hatte und hat für Bremen als maritimen und modernen Wirtschaftsstandort eine große Bedeutung. Das zeigt sich auch am Einsatz Bremer Reeder und Institutionen für den Schifffahrtsstandort Bremen. Die vielfältigen Bemühungen erstrecken sich über politische Beteiligung für verbesserte Rahmenbedingungen bis zur seemännischen Nachwuchsförderung. OnBoard berichtet in dieser Ausgabe ausführlich über das facettenreiche Bremer Engagement.
Als Stadt am Wasser ist Bremen geborene Handelsmetropole. Mit dem Handel und dem überregionalen Austausch von Gütern ist Bremen auch als Ort des Seegüterumschlags und des Seeverkehrs über Jahrhunderte gewachsen.
Der zweitgrößte deutsche Universalhafen, bestehend aus Bremen und insbesondere Bremerhaven, gehört zu den bedeutenden maritimen Standorten Europas. Bremerhaven hat sich mit einem Umschlag von mehr als 5,5 Mio. TEU per Ende 2008 zu einem der größten Containerhäfen des europäischen Kontinents entwickelt. Die Leistungsfähigkeit der Hafenanlagen ist nicht zuletzt durch die Inbetriebnahme des CT (Containerterminal) 4 erhöht worden. Damit verfügt Bremerhaven nunmehr über die längste Stromkaje der Welt, mit einer Gesamtlänge von rund 5 km. Darüber hinaus ist der Bau einer neuen Großschleuse, der „Kaiserschleuse“ (voraussichtliches Bauende im Jahr 2010), geplant.
Von Bremen und Bremerhaven aus werden derzeit über 370 Schiffe mit rund 5,5 Mio. BRZ gemanaged – weitere 130 sind von Bremer Reedern bestellt. Die Reedereien beschäftigen fast 1.000 Mitarbeiter an Land und etwa 8.000 an Bord.
Die maritime Wirtschaft ist eine innovative Zukunftsbranche mit hoher gesamtwirtschaftlicher Bedeutung und langfristig guten Wachstums- und Beschäftigungschancen – nicht nur für Bremen, sondern für den gesamten Schifffahrtsstandort Deutschland. Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, war und ist für den Erfolg und Aufstieg der Schifffahrt unverzichtbar. Die Wirtschaftskrise führt nun in neue, unbekannte, von Untiefen gekennzeichnete Gewässer, die es zu überstehen gilt: Wenn der Sturm über die See peitscht, müssen Kapitän und Steuermann Kurs halten.