Neue Richtlinien in Kraft getreten
Schwefelemissionen werden verringert

Seefahrt wird noch umweltfreundlicher

Schon seit Monaten beschäftigt ein Thema die Seefahrt ganz intensiv: Die Schwefel-Emissionen der Schiffsmotoren und das Ausweiten der SECAs gemäß MARPOL Annex VI. Die darin festgelegten Grenzwerte für den Schwefelgehalt im Brennstoff von Schiffsmaschinen sorgen für mannigfaltigen Gesprächsstoff. Denn seit dem 11. August 2007 gilt auch die Nordsee als SECA, als Schwefel-Emissions-Kontrollzone (Sulphur Emission Control Area).
Der Schutz der Meere ist neben der Sicherheit der Seefahrt eines der Hauptanliegen der International Maritime Organization IMO. Niedergeschrieben sind die Umweltregeln in der MARPOLKonvention (International Convention for the Prevention of Pollution from Ships) und ergänzenden Kapiteln. Um die Schadstoffemissionen geht es im Annex VI. Nicht das Treibhausgas CO2 steht hier im Vordergrund – denn einerseits gilt das Schiff bereits als umweltfreundlichstes Transportmittel und andererseits arbeiten die Beteiligten intensiv an der Reduzierung des Brennstoffverbrauchs und somit des CO2-Ausstoßes – sondern die Emissionen von Schwefel- und Stickoxiden (SOx, NOx) sowie von Feinstaub- Partikeln.

Die Nordsee ist neues SECA

Der MARPOL Annex VI, der seit Mai 2005 in Kraft ist, schreibt weltweit einen maximalen Schwefelgehalt im Brennstoff von 4,5 Gewichtsprozent vor. Für besonders sensible Meeresregionen können schärfere Bestimmungen erlassen werden. In diesen SECAs ist dann der Schwefelanteil auf nur 1,5 % limitiert. Alternativ zum schwefelarmen Brennstoff wäre eine technisch sehr komplexe Abgasreinigung, um die Schwefeloxide herauszufiltern. Die erste SECA wurde mit Wirkung vom 19. Mai 2006 für die Ostsee eingerichtet (siehe OnBoard Nr. 12), für den Raum der Nordsee und angrenzende Gebiete wie Ärmelkanal oder Elbe gilt dies gemäß MARPOL ab 22. November 2007. Die Europäische Union (EU) hat den Termin auf den 11. August 2007 vorgezogen.

Einheitliche Regeln sind anstrebenswert

Ab Anfang 2010 soll dann – so sieht es eine EU-Richtlinie vor – während Liegezeiten in europäischen Häfen nur Brennstoff mit 0,1 % Schwefelanteil verwendet wer den dürfen. Die Einrichtung weiterer SECAs wird diskutiert und andere Länder – die USA und Australien haben den Annex VI nicht ratifiziert – diskutieren eigene Maßnahmen oder sind bereits dabei, solche umzusetzen. „Wenn es der IMO nicht gelingt, Lösungen zu vereinbaren, wird es vermehrt regionale Sonderregeln geben“, betonte kürzlich Ministerialdirigent Bernd Törkel, Leiter der Abteilung WS (Wasserstraßen und Schifffahrt) im Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS), bei einem Forum des Ger manischen Lloyd. Der Seeverkehr sollte sich frühzeitig darauf einstellen und konstruktiv an Lösungen mitwirken. Dabei müsse die Internationalität des Seeverkehrs berücksichtigt werden wie auch die Einbindung aller Flaggenstaaten, um überall gleiche Wettbewerbschancen zu gewährleisten. Auch die Qualität der Brennstoffe müsse verbessert werden, wird der Ministeriumsvertreter zitiert. Was umweltpolitisch auf den ersten Blick durchaus sinnvoll ist, stellt aufgrund der Vielzahl der Varianten den Praktiker vor große Aufgaben. Denn heute zwei, künftig drei oder vier Sorten Brennstoff mit unterschiedlichem Schwefelgehalt an Bord zu bunkern – das erfordert schlichtweg ebenso viele Tank- und Leitungssysteme!

Die Schiffe von Hanseatic Lloyd sind vorbereitet

Hanseatic Lloyd hat sich frühzeitig auf die neuen Anforderungen eingestellt. Alle Tanker – die derzeit ausschließlich in SECAs fahren – sind bei ihren jüngsten Werft-Aufenthalten entsprechend umgebaut worden.

Mit nicht unerheblichem Aufwand wurde das Zylinder schmier ölsystem der Hauptmaschine insofern erweitert, dass ein Umschalten auf spezielles niedriges TBN-Öl (TBN = Total Base Number) beim Fahren von schwefelarmem Brennstoff unter 1,1 % möglich ist. Auch die Containerschiffe der Hanseatic Lloyd Flotte – inklusive der vier Neubauten – sind technisch entsprechend ausgestattet und können weltweit ohne Einschränkungen eingesetzt werden. Die Containerschiffe sind momentan jedoch auf Routen außerhalb der SECAs unterwegs.

Was zu tun ist

Es wird erwartet, dass in Zukunft die Port State Control Stichproben der an Bord mitgeführten Bunkerproben nimmt und auf den Schwefelgehalt hin untersucht. Hierbei handelt es sich um das so genannte MARPOL Sample, welches bei der Bebunkerung des Schiffes gezogen und an Bord vorgehalten wird. Diese Probe muss bis zum Verbrauch des Brenn stoffes an Bord mitgeführt werden, mindestens aber ein Jahr.

Stimmt der dann ermittelte Schwefelgehalt nicht mit der dazugehörigen BDN (Bunker Delivery Note) des Brennstofflieferanten überein, so kann das Schiff mit hohen Geldstrafen belegt werden. Weiterhin müssen sämtliche Bunkerlieferungen im Oil Record Book sowie neuerdings auch im Bunkerproben- und SECA Brennstoffumstellungs-Tagebuch vermerkt werden. Dieses wird die Port State Control in Zukunft in Europa verstärkt überprüfen.


Schwefeldioxid

Schwefel ist ein chemisches Element („S“) mit relativ häufigem Vorkommen. Elementarer Schwefel ist an seiner gelben Farbe zu erkennen. Meistens kommt er in gebundener Form als Salz von Schwefelwasserstoff (Sulfide, z.B. Pyrit) oder der Schwefelsäure (Sulfate wie etwa Gips) vor. Auch in biologischen Molekülen wie Aminosäuren kommt Schwefel vor. Werden schwefelhaltige Substanzen (also etwa fossile Brennstoffe) verbrannt, bilden sich Schwefeloxide, vor allem Schwefeldioxid SO2 (mit einem charakteristischen, stechenden Geruch). Dieses verbindet sich in der Luft mit Sauerstoff und Wasser weiter zur Schwefelsäure H2SO4, die dann als „saurer Regen“ wieder zur Erde fällt. Gezielt und kontrolliert eingesetzt kann SO2 desinfizierend wirken.

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