62.080 PS auf Herz und Nieren geprüft
Neue Hauptmaschine der „HLL Arafura“ abgenommen

Zirka 12 Meter hoch, 18 Meter lang und 1.470 Tonnen schwer ist die neue Hauptmaschine vom Typ 8K 98 MC-C, die gerade in Japan für das neue Containerschiff „HLL Arafura“ gebaut wurde. In rund dreimonatiger Arbeit entstand das Kraftpaket mit 45.680 kW (62.080 PS), das nach der Abnahme wieder in „handliche“ Stücke zerlegt und zur Werft nach China transportiert wird.

Bei Mitsui Engines MES in Tamano ist die achtzylindrige Hauptmaschine nach einer Lizenz von MAN B&W gebaut worden. Neben den Vorgaben des Konstrukteurs MAN und denen des Germanischen Lloyd muss der Riesenmotor auch den individuellen Spezifikationen von Hanseatic Lloyd entsprechen. Zwei Tage dauert die Abnahme, bei der Bernhard Höke die neue Maschine auf Herz und Nieren prüft. Am Anfang steht eine äußerliche Begutachtung der gesamten Maschine, von Rohr- und elektrischen Leitungen und auch der angebauten Arbeitsebenen. Als Zweimetermann braucht Superintendent Höke nicht einmal einen Meterstab, um die lichte Höhe von zwei Metern in den drei Arbeitsebenen zu prüfen. Wenn da eine Rohrleitung den freien Gang behindert, müsste sie komplett neu verlegt werden – von den Flanschen angefangen!

Der erste Tag

Die laufende Maschine steht am ersten Prüftag im Mittelpunkt. Bernhard Höke überwacht das Startverhalten und später die verschiedenen zu durchlaufenden Laststufen bis zu 110 Prozent Leistung. Doch nicht nur der ruhige Lauf interessiert den Ingenieur, auch diverse Laständerungen werden geprüft. „Da werden einige Crash-Manöver durchfahren“, so Höke. Die Energie wird beim Test übrigens über die Welle in eine „Wasserbremse“ geleitet, damit ein praxisnahes Lastverhalten simuliert wird.

Für die Maschine der „HLL Arafura“ hat Hanseatic Lloyd eine besondere Zylinderschmierung (Alpha-Lubricator) bestellt, die zu einem wesentlich effektiveren Einsatz von Zylinder-Schmieröl und entsprechend geringerem Verbrauch führt. „Ein enormes Einsparpotenzial“, bestätigt Höke, der die Steuerung und Funktion der Schmierung prüft. Denn wenn diese nicht funktionieren würde, käme es im schlimmsten Fall zu einem Kolbenfresser. „Die Maschine streckt das Beinchen aus“, sagen die Seeleute zu so einem Unfall, der zu schweren Schäden an Mensch und Schiff führen könnte. Wenn dann abends alle Tests an der laufenden Maschine absolviert sind, ist Hökes „weißes Kesselpäckchen“ eher ein schwarzer Overall.

Die Abnahme

Der zweite Tag steht im Zeichen des Innenlebens der Maschine. Beim „open up“ werden verschiedene Komponenten geöffnet, in Augenschein genommen und zum Teil auch nachgemessen. Denn jeder zweite Zylinder hat hier einen speziellen Liner mit einer kleinen Ausbuchtung von wenigen Zehntel Millimetern im oberen Brennraumbereich. Der Druck auf die Kolbenringe wird damit verringert. Superintendent Höke lässt den Zylinderdeckel abnehmen, inspiziert und vermisst die Kolbenringe. Auch Lager, Pleuel oder Kurbelzapfen prüft Höke. Saubere Arbeit, maßgenauer Zusammenbau oder „ob die Druckverteilung gleichmäßig ist“, sind die wichtigsten Aspekte, die der Bremer kontrolliert. Schließlich kommt auch noch ein Auslassventil dran. Alle Kontrollstempel werden notiert – und an den Projektleiter auf der Schiffswerft weitergegeben, damit dort später der ordnungsgemäße Wiederzusammenbau der Maschine geprüft werden kann. „Ungenauigkeiten sieht man schon nach den ersten Laufstunden“, erklärt Höke. Die vielleicht 50 Betriebsstunden der Maschine, die diese auf dem Teststand bis zur Abnahme gelaufen ist, reichen aus, um Fehler zu erkennen. Der 42- Jährige ist selbst ein paar Jahre als Ingenieur auf großen Containerschiffen gefahren – und kennt daher die Motoren, deren Geräusche und ihre Bedeutung genau.

Nach zwei Tagen intensiver Prüfung ist die Abnahme der Maschine zufriedenstellend abgeschlossen. Schließlich kommt es nicht von ungefähr, dass Hanseatic Lloyd die Maschine bei Mitsui in Auftrag geben hat. Gute Qualität macht sich schnell bezahlt. Denn schon während des Einfahrbetriebs eines Schiffes fallen deutlich weniger Garantiearbeiten an.

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